Hyperfund oder der Traum vom großen Geld

Wie ein Pfälzer Lokalpolitiker für ein dubioses Krypto-Investment wirbt

Saarbrücken/kaierslautern (ots) -

Ein Ortsbürgermeister aus dem Kreis Kaiserslautern wirbt für ein zweifelhaftes Anlagemodell im Bereich Kryptowährungen, Hyperfund. Dabei stellt er Privatleuten bis zu 200 Prozent Rendite in Aussicht. Verdeckte Recherchen des SR-Rechercheteams haben ergeben: Bei Hyperfund könnte es sich um ein illegales Schneeballsystem handeln, bei dem Investoren am Ende ihr Geld verlieren.

Das Geschäftsmodell: Die Investoren sollen möglichst viele weitere Menschen anwerben, die ihrerseits Geld in Hyperfund stecken. Dem SR liegen Aussagen von Personen vor, die vor allem wegen der Vertrauenswürdigkeit des Lokalpolitikers Geld eingezahlt haben. Sein Amt als pfälzischer CDU-Ortsbürgermeister spielte hierbei für Einzelne auch eine Rolle. Seine Anwältin teilte auf Anfrage mit, er werbe nicht als Bürgermeister für Hyperfund.

Verbraucherschützer und Anwälte, die sich das Anlagesystem für den SR angesehen haben, halten Hyperfund für unseriös. Finanzexperte Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland hat sich einige Webinare angeschaut. Aus seiner Sicht bleibt vieles unklar, etwa, wie das eingezahlte Kapital verdoppelt bis verdreifacht werden soll. Schon allein der Vertrag, den Investoren mit Hyperfund abschließen, sei höchst problematisch. Er enthalte keine Rückzahlungsverpflichtung. Außerdem schließe man den Vertrag mit einer australischen Firma, die keine Vertretung in Deutschland habe. Das allein sei "schon problematisch für mich als deutscher Anleger", betont Beutler.

Das sieht auch der Saarbrücker Fachanwalt für Kapitalmarktrecht Michael Strauß so. Der weitgehende Haftungsausschluss bei Hyperfund entspreche "so nicht dem deutschen Recht". Außerdem ist aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar, wie Hyperfund die Erträge erwirtschaftet, aus denen die Rendite gezahlt wird.

In dieselbe Kerbe schlägt der Münchner Anwalt Patrick Wilson. Hyperfund liste zwar verschiedene Geschäftsmodelle auf, aber: "Zu keinem findet man wirklich belastbare Informationen, was dort wirklich geschieht. Teilweise gibt es nicht mal eine Website." Wer schon investiert hat, sollte möglichst viel Geld aus der Anlage herauszuziehen, so Wilsons Einschätzung. Laut Vertragsunterlagen stehe das den Investoren zu. Denn für Wilson ist klar, "dass dieses System irgendwann zusammenbrechen muss."

Seit kurzem ermittelt auch die Finanzaufsicht BaFin. Das für Hyperfund verantwortliche Unternehmen aus Australien hat sich auf SR-Anfrage nicht geäußert.

Pressekontakt:



SR-Rechercheteam Niklas Resch, Caroline Uhl, Linda Grotholt, 0681-602-1008/1009, rechercheteam@sr.de.


Original-Content von: SR Saarländischer Rundfunk, übermittelt durch news aktuell

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