Bauabbruch bei Gruber-Stiftung

Experte erläutert die Gründe und wie Baustopps verhindert werden können

Wittlich (ots) -

Plötzliche Baustopps, administrative Hürden und langwierige Verzögerungen - das sind Probleme, die vielen Bauherren wohlbekannt sind. Aktuell steht die Gruber-Stiftung in Rottach-Egern im Fokus, da das dortige Seminarhaus am Reiffenstuelweg nicht vollendet werden kann. Trotz der Erteilung von zwei Baugenehmigungen und der Einreichung eines weiteren Bauantrags blockiert eine vorläufige Entscheidung des Verwaltungsgerichts München die Weiterführung der Arbeiten.

"Baustopps sind in der Regel ein Zeichen für bürokratische sowie kommunikative Mängel. Häufig unterschätzen Bauprojektmanager die Wichtigkeit, alle relevanten Akteure früh genug einzubinden und eine lückenlose Dokumentation zu garantieren. Der Fall der Gruber-Stiftung zeigt genau das: Ein Eilverfahren, eingereicht von einem beschwerdeführenden Anwohner und gekennzeichnet durch das Fehlen wesentlicher Dokumente, hat den Baufortschritt jäh gestoppt", erklärt Andreas Scheibe, Experte für Bauprojektmanagement. Er ist Ingenieur und VOB-Berater für Handwerker und seit vielen Jahren in der Branche in Planung und Ausführung tätig. In diesem Beitrag beleuchtet er, warum Bauprojekte häufig scheitern und welche Strategien Baustopps vorbeugen können.

Die Phasen eines Bauprozesses

Eine genaue und fehlerlose Planung sowie eine lückenlose Dokumentation sind im Bauwesen von entscheidender Bedeutung. Dabei sollte die Planung im besten Fall einer festgelegten Struktur folgen. Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) schlägt beispielsweise vor, den Bauprozess in neun aufeinanderfolgende Phasen zu gliedern:

In diesem Modell beginnt das Bauprojekt mit der Grundlagenermittlung, in der die Anforderungen des Projekts definiert werden. Diese dienen als Grundlage für die Vorplanung, die die Entwicklung erster grober Konzepte beinhaltet. Bereits in diesem frühen Stadium ist eine klare Dokumentation aller Anforderungen, Erwartungen und Ziele notwendig, um eine solide Basis für die nachfolgenden Phasen zu schaffen und Missverständnisse zwischen Auftraggebern, Planern und ausführenden Unternehmen zu vermeiden. In der darauffolgenden Entwurfsplanung werden diese Konzepte zu einem detaillierten Plan verfeinert. Die vierte Phase, die Genehmigungsplanung, dient dazu, alle nötigen Unterlagen für die Baugenehmigung zu erstellen. Die lückenlose Dokumentation ist hier besonders wichtig, um den Behörden die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben belegen zu können und den Genehmigungsprozess zu vereinfachen.

Jede einzelne Phase entscheidet über Erfolg oder Misserfolg

In der fünften Phase der Ausführungsplanung geht es um die Erstellung der Baupläne, die die Grundlage für die tatsächliche Bauausführung bilden. Anschließend folgt die Vorbereitung der Vergabe, in der Bauleistungen ausgeschrieben und Angebote von Bauunternehmen eingeholt werden. Diese Phase ist entscheidend für die Kostenkontrolle, da durch die sorgfältige Auswahl und Verhandlung günstige Angebote erzielt werden sollen. In Phase sieben werden die eingegangenen Angebote sorgfältig geprüft und bewertet, um eine fundierte Vergabeentscheidung zu treffen. Die akribische Dokumentation der Planungs- und Vergabeprozesse stellt sicher, dass alle Projektbeteiligten auf dem gleichen Informationsstand sind und die ausführenden Firmen präzise wissen, welche Anforderungen für sie gelten.

Während der Bauausführung übernehmen Architekten und Ingenieure die Überwachung, um die korrekte Umsetzung sicherzustellen. Nach Abschluss der Bauarbeiten erfolgt schließlich die finale Abnahme der Bauleistungen, die Mängelüberprüfung und die Übergabe an den Auftraggeber. Jede einzelne Phase ist für den Erfolg des gesamten Bauprojekts entscheidend und baut auf der ordentlichen Ausführung der vorangegangenen Schritte auf.

Die Realität sieht oft anders aus

Was in der Theorie plausibel klingt, scheitert in der Praxis umso häufiger. Immer wieder wird die vermeintlich logische Kette eines Projektes unterbrochen. Probleme treten dabei auf verschiedenen Ebenen auf - sei es beim Auftraggeber, im Planungsbüro oder bei den ausführenden Handwerksunternehmen. Ein typisches Beispiel ist ein Auftraggeber, der Entscheidungen zu schnell trifft, um Fördermittel zu erhalten. Der Druck führt im Planungsbüro zu Stress und sorgfältiges Ausplanen ist kaum mehr möglich. Solche Störungen im Ablauf können sich durch das gesamte Projekt ziehen und letztendlich zu erheblichen Mängeln und sogar zu einem Baustopp führen.

Noch einmal wird deutlich, wie wichtig eine lückenlose Dokumentation im Bauprozess ist. Sie dient nicht nur der Erfüllung bürokratischer Anforderungen, sondern ist auch wichtig für die Qualitätssicherung während des Bauprozesses. Die Dokumentation beinhaltet sowohl die offiziellen Unterlagen für Baugenehmigungen als auch die tägliche Kommunikation, Bautagesberichte, technische Nachträge und weitere relevante Dokumente. Am Ende gilt: Wenn jeder Beteiligte genau versteht, welche Aufgaben und Leistungen von ihm erwartet werden, kann das Projekt reibungslos abgeschlossen werden.

Über Andreas Scheibe:

Andreas Scheibe ist geschäftsführender Gesellschafter mehrerer Unternehmen in der Baubranche und Gründer der Continu-ING GmbH aus Wittlich, einer Unternehmensberatung, die auf echte Lösungen für Handwerksunternehmen fokussiert ist. Er konnte schon zahlreiche Handwerksunternehmen dabei unterstützen, Verlustprojekten den Rücken zu kehren und Sicherheit in Bauabläufen zu erlangen. Die Mission von Andreas Scheibe und Continu-ING ist, das Handwerk zu neuer Stärke zu führen und Handwerkern zu helfen, Bauprojekte endlich stressfreier und profitabler durchzuführen. Mehr Informationen dazu unter: https://www.continu-ing.com/

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