Die „lachende“ Unternehmenskultur

Nur, wer sich wohlfühlt, ist kreativ

Innovationen sind der Umsatz von übermorgen. Man muss rechtzeitig und weitläufig damit beginnen, um sie startklar in der Pipeline zu haben, wenn die alten Lösungen es nicht mehr bringen. Hierzu braucht es eine konstruktiv-offene, menschenfreundliche, kreativitätsförderliche „lachende“ Unternehmenskultur.

 

Zukunftsgestalter Anne M. Schüller

 

Es gibt Firmen, da scheint es zum guten Ton zu gehören, schlecht drauf zu sein, mit herunterhängenden Mundwinkeln über die Gänge zu schlurfen und Unfreundlichkeiten zu verteilen. Und es gibt andere, in denen ist gute Laune allgegenwärtig. Unbelastet vom düsteren Geist einer taylorisierten Industrievergangenheit hat man dort ganz einfach verstanden, dass Arbeit Spaß machen muss, um richtig gut zu werden. Aus diesem Grund wird in diesen Firmen so viel Wert auf ein Wohlfühlklima gelegt.

Solche Firmen nenne ich „lachende Unternehmen“. Lachende Unternehmen verfolgen Gewinnerstrategien. Sie sind quicklebendig und schwingen wunderbar positiv. Ihre Mitarbeitenden sind lebensfroh, hochmotiviert und sehr gerne bereit, für die Firma ihr Bestes zu geben. In lachenden Unternehmen herrscht Spaßgesumme, ein Treibhausklima für Spitzenleistungen und ein Biotop für gute Ideen. Solche Firmen ziehen die Besten wie magisch an. Übermorgengestalter sind dort hochwillkommen.

 

Veraltete Mindsets bitte endlich begraben

Es ist ein uraltes Vorurteil und ein gefährlicher Irrtum, zu glauben, dass Spaß und Arbeit nicht zusammenpassen. Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall. Fröhlichkeit, Zuneigung und Sympathie begünstigen Erfolge, weil unser Gehirn im Zuge dessen einen leistungsfördernden Hormoncocktail produziert. Lachen verbindet, entspannt, hält uns gesund, macht kreativ, bringt in Bewegung, sorgt für Mut und schafft Vertrauen. Wo Lachen ist, verschwindet die Angst. Verängstigte Mitarbeiter:innen hingegen haben die unangenehme Eigenschaft, allerhöchstens mittelmäßige Arbeit abzuliefern.

Lachende Unternehmen sind kein Kindergeburtstag, sondern Turbolader. Sie bieten ihren Mitarbeitenden ständig neue Herausforderungen - im Kern ihrer Talente und auf der Basis von Sinn. Dort finden wir ein herausragendes Performance-Niveau, eine offene, ehrliche Hin-und-her-Kommunikation, Wertschätzung und Menschlichkeit. Aus lachenden Unternehmen gehen Siegertypen hervor, die stolz auf ihre Spitzenergebnisse sein können und sind. Eine lachende Unternehmenskultur entspringt somit keinem sozialromantischen Kuschelkurs, sondern erzeugt Wertschöpfung par excellence.

 

Nur, wer sich wohlfühlt, ist kreativ

Kreativität, die Schlüsselressource der Zukunft, ist in lachenden Firmen omnipräsent. Denn Kreativität ist wie eine launische Diva, die die richtigen Umstände braucht: vor allem Heiterkeit, Muße und die Freiheit von Zwängen. Im Hamsterrad monotoner Abarbeiterei versiegt jeder kreative Gedanke. Und Vorgaben sind Kreativitätskiller per se. Sie lassen Ergebnisarmut entstehen. Lustlosen Mitarbeiter:innen ist das egal. Doch gerade die Top-Talente erkennen sehr schnell, wie toxisch ein solches Klima ist.

„Vergiftete Organisationen“ (Daniel Goleman) verschwenden Ressourcen und Talente en masse. Dort findet sich eine beklemmende Atmosphäre mit strengen Vorschriften, scharfen Kontrollen, Schuldzuweisungen und beißender Kritik. Intrigen, Mauscheleien, Geheimniskrämerei, Günstlingswirtschaft, Eigennutz, Willkür und viele andere unschöne Dinge sind dort omnipräsent. Alles ist überschattet von Misstrauen und Angst.

In vergifteten Unternehmen werden Menschen gekränkt und erniedrigt. Sündenböcke und Bauernopfer werden gesucht. Seilschaften, Opportunismus und politische Spielchen sind in einem solchen Umfeld leider die beste Überlebensstrategie. Trauriges Resultat: Diejenigen, die können, nehmen schleunigst Reißaus. Die Exzellenten gehen dabei zuerst. Und von denen, die bleiben, bekommt man gerade mal „Dienst nach Vorschrift“. Das wiederum erzeugt höchstens Mittelmaß, führt in den Preiswettbewerb und ins Aus.

 

 

Lachende Unternehmen Anne Schueller

 

 

Angst: der größte Ideen- und Leistungskiller

Angst geht nicht ins Neuland. Nur in einem angst- und bedrohungsfreien Klima können neue Ideen entwickelt und neue Wege beschritten werden. Insofern braucht es für alle Mitarbeitenden - und besonders für Innovatoren, Pioniere und Übermorgengestalter – psychologische Sicherheit, also ein Spielfeld, in dem man keine Angst haben muss. Ängste blockieren den Fortschritt. Und sie sind Leistungszerstörer. Sie haben sowohl physische Effekte als auch seelische Konsequenzen. Ängste lähmen und machen dumm.

Sie können „durch alles ausgelöst werden, dem wir in unserer Verletzlichkeit ausgesetzt sind und das sich unserem Begreifen oder den Möglichkeiten unserer Kontrolle entzieht“, schreibt der Kognitionsforscher Rainer Mausfeld in seinem sehr erhellenden Büchlein Angst und Macht. Angst entspringt also nicht nur einer unmittelbaren Bedrohung, sondern auch einer existenziellen Abhängigkeits- und Ohnmachtserfahrung.

Dass Menschen im Zustand der Angst geistige Großtaten vollbringen, ist ein gefährlicher Trugschluss. Das Gegenteil ist der Fall. Bei Angst im Nacken reagieren wir mit einem blitzschnellen Überlebensprogramm: abhauen, draufhauen oder totstellen. Unser Denkapparat wird zu dem Zweck blockiert – man kennt das als Blackout und von Panikattacken. Langwieriges Abwägen ist, wenn ein Raubtier uns akut bedroht, eben nicht förderlich. Wer das einst tat, dessen Gene haben nicht überlebt.

 

Angst bringt alles zum Stillstand

Wer Angst hat, reduziert sein Lernvermögen und baut Fehler, weil Angst das Sichtfeld verengt, der Fokus richtet sich auf die Gefahr. Ist das Stresslevel im gesamten Unternehmen hoch, gelingen nur noch Routinen. Unablässiger Druck und das Androhen von Strafe versetzen den Körper in permanente Alarmbereitschaft. Der Dauerbeschuss von Stresshormonen attackiert zudem die körpereigenen Abwehrkräfte, schwächt unser Immunsystem und macht uns krank. Ist Arbeit also mit Angst besetzt, ist das quasi Körperverletzung.

Wo Angst regiert, kommt alles zum Stillstand. Das habe ich persönlich einmal anlässlich eines Workshops erlebt. Die Teilnehmenden wirkten völlig lethargisch. Bis ins Detail sollte ich ihnen vorgeben, was wie zu tun sei. Mittags gingen die Ersten heim, weil sie sich nicht wohlfühlten, zumindest sagten sie das. Wieso das so war, offenbarte sich bald: Auf einer Mitarbeiterversammlung hatte sich der CEO vor seine Leute gestellt und mit Nachdruck gesagt: „ICH WILL EINE NULL-FEHLER-KULTUR!“ Seitdem traut sich dort niemand mehr was.

 

 

 

Das aktuelle Buch der Autorin

Das Buch zeigt 25 rasch umsetzbare Initiativen und weit über 100 Aktionsbeispiele, um zu einem Überflieger der Wirtschaft zu werden. Kompakt und sehr unterhaltsam veranschaulicht es jedem, der helfen will, eine bessere Zukunft zu gestalten, die maßgeblichen Vorgehensweisen in drei Bereichen: Wie machen wir die Menschen stärker, das Zusammenarbeiten besser und die Innovationskraft im Unternehmen größer.

 

Bahn frei das Buch von Anne M. Schüller

 

Anne M. Schüller


Bahn frei für Übermorgengestalter


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Gabal Verlag 2019, 216 Seiten, 24,90 Euro
ISBN: 978-3967390933

 

 

 

 

 

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